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Historie


Gerade mal 29-jährig gründete der Schwarzwälder Musiker und Komponist Johann Nepomuk Schelble 1818 den Frankfurter Cäcilienverein. Bis zu seinem Tod 1837 blieb er dessen Leiter und trug damit zu einer großen Bereicherung des musikalischen Lebens in Frankfurt bei. Doch auch für die Entwicklung der Chormusik in Deutschland ist der Verein von großer Bedeutung.

Wenige Wochen nach der Wiederaufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach durch Felix Mendelssohn-Bartholdy im Jahr 1829 in Berlin konzertierte der Cäcilienverein ebenfalls mit diesem Oratorium. Obwohl damals, entgegen der verbreiteten Legende, Bachs Werke in musikalischen Fachkreisen keineswegs vergessen waren, trugen diese Wiederaufführungen doch maßgeblich dazu bei, die Bach'sche Musik Liebhabern und Musikinteressierten näher zu bringen. Auch ermöglichten sie einem breiten Publikum, Bach überhaupt kennen zu lernen. Dass die barocke Musik entsprechend dem romantischen Zeitgeist teilweise gekürzt und musikalisch gravierend bearbeitet wurde, mag uns heute anmaßend erscheinen, war damals aber völlig legitim und wohl Voraussetzung für einen Publikumserfolg. Der Matthäus-Passion folgten Wiederaufführungen der h-Moll-Messe (1833) und des Weihnachtsoratoriums (1858).

Es war wohl während eines Besuchs Mendelssohns in Frankfurt im Jahr 1831, als Schelble Interesse an einem für den Cäcilienverein komponiertem Chorwerk bekundete. Mendelssohn, der 1832 über den Chor schrieb "Die Leute singen mit so viel Feuer und so zusammen, dass es eine Freude ist.", widmete dem Cäcilienverein das Oratorium "Paulus". Mendelssohn schuf mit diesem Paulus ein Werk, das einerseits die große Tradition der Kirchenmusikkomposition Bachs und Händels nachklingen lässt, andererseits den damaligen Zeitgeist widerspiegelt: Aufgrund des Niedergangs der Institution Kirche seit dem 18. Jahrhundert schwand auch deren Einfluss auf die Entwicklung der Kunstmusik. Eine Folge dessen war die Neuerschaffung der liturgischen Musik - Kompositionen richteten sich nunmehr nach der musikalisch interessierten bürgerlichen Öffentlichkeit und führten zur nicht funktionsgebundenen sogenannten säkularen Kirchenmusik. Das neue religiöse Kunstwerk konnte also auch außerhalb des liturgischen Zusammenhangs für sich stehen. Mendelssohns Paulus wurde 1836 uraufgeführt und noch im selben Jahr in Boston, Liverpool und Paris gespielt. Unter Kollegen und in Zeitschriften wurde das Oratorium sehr kontrovers diskutiert. Musikwissenschaftler sehen die Komposition "Paulus" als einen Wendepunkt in der Geschichte der Gattung Oratorium.

Bei der Uraufführung eines weiteren, musikgeschichtlich an einem Wendepunkt stehenden Werks war der Cäcilienverein ebenfalls dabei: Als Carl Orff 1934 einen Nachdruck einer ehemals handschriftlichen Sammlung aus Benediktbeuern mit etwa 250 weltlichen Liedern aus dem 13. Jahrhundert entdeckte, wählte er einige davon aus und vertonte diese unter dem Namen der Sammlung: "Carmina Burana". Dieses Werk voller zünftiger, lieblicher, sinnlicher und erotischer Texte bettet Orff in eingängige, ursprünglich anmutende Melodien, unterlegt von einfachen Harmonien und elementarer Rhythmik. Ganz im Gegensatz zur nostalgisch-schwärmerischen Melancholie der noch wenige Jahre zuvor blühenden Romantik. Die Uraufführung der Carmina Burana fand 1937 an der Frankfurter Oper im Rahmen des (letzten) Musikfests des "Allgemeinen deutschen Musikvereins" unter Leitung von Bertil Wetzelsberger und der Mitwirkung des Cäcilienvereins statt. Unter den Nationalsozialisten war diese Komposition Orffs, der ja die Eröffnungsmusik zur Olympiade 1936 im Auftrag schuf, als "bayerische Niggermusik" verrissen, weitere Aufführungen in Dresden, München und Berlin wurden abgesagt. Später begründete die Carmina Burana Carl Orffs weltweiten Erfolg und zählt zu seinen populärsten Werken.

Das Archiv des Cäcilienvereins befindet sich als Dauerleihgabe in der Musik- und Theaterabteilung der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main. Interessierte können sie benutzen.